Fabian und sein Team sorgen für bestes Licht an Tübingens Stadteingang
Licht macht nicht einfach nur hell. Licht sorgt für Sicherheit. Licht schafft Räume. Licht weist einem den Weg. Licht lässt Orte schöner aussehen. Licht kann Energie sparen. Am neuen Tübinger Omnibusbahnhof zeigt Licht mal so richtig, was es alles drauf hat. Das liegt an einem detaillierten Beleuchtungsplan, den spezialisierte Ingenieure aufgestellt haben. Und das liegt an Fabian Bauer und dem Team Straßenbeleuchtung der Stadtwerke, die das Ganze umgesetzt haben. Die Kollegen haben sich auf dem Busbahnhof viel Zeit und auch so manche Nacht um die Ohren geschlagen, bis alles so aussah, wie es heute ist. Noch immer wird nachjustiert und ergänzt.

Seit Juli 2023 rollen die Omnibusse über den neuen Tübinger Busbahnhof (ZOB). Schon vom ersten Tag an gab es gutes Licht an den neuen Bussteigen. Seither wurde es licht-mäßig noch mehr und auch besser. Denn Fabian und sein Team perfektionieren die Busbahnhof-Beleuchtung immer weiter. Es leuchtet an den Bussteigen und auch entlang aller Laufwege. Also auch auf dem Bahnhofs-Vorplatz und bis rein in den Bahnhof, nach Norden durch den Park in Richtung Altstadt – die wichtigen Achsen entlang. Die neuen Radwege haben ebenfalls neues Licht.

Kabel bis nach Leonberg
Über 30 Kilometer Leitungen hat das Team der swt dafür verlegt. Sie wurden durch vorbereitete Leerrohre gezogen und versorgen die Leuchten an den Masten, in Wartehäuschen und an Sitzelementen am See mit Strom. (30 Kilometer, das muss man sich mal vorstellen. Städte wie Leonberg, Plochingen oder Balingen liegen 30 Kilometer von Tübingen entfernt.) Über 150 Beleuchtungs-Masten wurden gebaut am Omnibusbahnhof und auf dem Bahnhofs-Vorplatz, im Anlagenpark und entlang des Radwegs. An ihnen wurden nach und nach über 300 Leuchten montiert und justiert.
Wie, das war exakt festgelegt in einem Lichtkonzept, das ein mehrfach preisgekröntes Team aus Lichtdesignern im Auftrag der Stadt Tübingen entwickelt hat. vogtpartner heißt dieses Lichtgestaltungs-Büro um Christian und Manfred Vogt. Sie sind international aktiv mit Sitzen in Freiburg, im schweizerischen Winterthur und auch in Zwischenwasser in Österreich. Aus den Vorschlägen von vogtpartner wählte dann ein Fachgremium in Tübingen das Gewünschte aus.
Infos zu vogtpartner, die mit der Tübinger Planung für einen Preis nominiert sind, findet ihr hier.
Der Teufel steckt im Detail
„Mit der guten Gestaltung und der Auswahl der Leuchten hat man sich viel Arbeit gemacht“, berichtet Fabian. Beispielsweise wurde die Beleuchtung mit Spezialbrillen getestet: Diese Brillen simulieren, dass jemand nur noch 20 Prozent des Sehvermögens hat. Die Stadtwerke unterstützten das Ganze, indem sie verschiedene Typen von Lampen für den Test aufhängten. swt-Experten steuerten technisches Fachwissen bei, beispielsweise zum Thema Blendung.

Fabian selbst war nicht von Anfang an dabei. Er kam erst 2023 zu den swt und hatte zuvor in der Automatisierungstechnik bei Daimler und Porsche gearbeitet. Dann übernahm er die Verantwortung für die Betriebsführung der Tübinger Straßenbeleuchtung und fürs Licht am Omnibusbahnhof. Als er seine heutige Stelle antrat, war die Planung schon weit. Fabians Aufgabe wurde die Umsetzung. Er kümmerte sich darum, dass die Masten mit Spannung versorgt, die Lampen beschafft und montiert wurden, und leitete die Monteure an.
So komplex kann Licht sein
Als Fabian die Pläne zum ersten Mal in die Hand bekam, hat es ihn überrascht, wie detailreich und feingliedrig vogtpartner alles geplant hatte. Und wie viele verschiedene technische Lösungen vorgesehen waren: Es gibt Beleuchtung für die Fläche, für Haltesteige und Wartehäuschen. Es gibt Lichtpfeile und Lichtkorridore, um Passanten zu lenken. Man kann die Beleuchtung auch variieren, beispielsweise für Events.

Gobos zeichnen Lichtmuster
Und dann gibt es noch „Gobos“. Dieses Kürzel steht für Graphical Optical Blackout – das sind Schablonen, ähnlich wie Dias. Man setzt sie vor Lichtquelle, damit das Licht ein bestimmtes Bild erzeugt, ein Muster, Logo oder auch einen Text. Sowas nutzt man in Theatern und Museen, nun auch im öffentlichen Raum. Gobo-Lampen funktionieren ähnlich wie Dia-Projektoren, man nennt sie auch Architektur-Projektoren. Von den Masten herunter liefern sie Bilder und Effekte. Die Dias dafür werden gelasert. Sie müssen perfekt in die Lampen eingelegt werden, damit es am Boden später genau den gewünschten Effekt hat.
Wer darauf achtet, findet Lichtmuster auf dem Boden. Sie erinnern ein wenig an das Muster, das die Sonne manchmal durchs Blätterdach von Bäumen erzeugt. Oder an Hieroglyphen, man könnte verschiedene Zeichen darin deuten. Diese abstrakten Symbole hat vogtpartner speziell für Tübingen entwickelt, inspiriert von mathematischen Zeichen, chemischen Formeln und Musik-Noten – als ein Sinnbild für die verschiedenen Wissenschaftssprachen der Universitätsstadt.






Smart, sicher und umweltfreundlich
Alle Leuchten, die Strahler wie auch die Gobos, werden mit energiesparenden LED betrieben. Zusätzlich haben einige Sensoren für „Licht nach Bedarf“. Sie erkennen, wo gerade Licht gebraucht wird und wo nicht. Leuchten werden gedimmt, wenn in ihrer Nähe aktuell keine Bewegung stattfindet. Im Vergleich zu der bisher üblichen Beleuchtung mit Natriumdampflampen ohne Sensoren und Dimm-Funktion lassen sich dadurch etwa 86 Prozent Energie einsparen.
Wie „Licht nach Bedarf“ aussieht, kann man testen, wenn man nachts durch den Anlagenpark läuft: Das Licht ist immer dort heller, wo man gerade ist. Heller werden außerdem die Leuchten in der Richtung, in die man sich bewegt. Hinter einem wird es allmählich wieder dunkler. Man spaziert also in einer so genannten „Lichtwolke” – das sorgt für ein höheres Gefühl an Sicherheit. Möglich machen das Bewegungssensoren in den Leuchten, die miteinander kommunizierten. Infos zu diesem Konzept gibt es auf der swt-Homepage.
Weniger blaues Licht – besser für die Tierwelt
Etwas Besonderes ist die ungewöhnlich warme Lichtfarbe im neuen Anlagenpark. Sie heißt „Amber“, denn sie ist bernsteinfarben bei 1800 Kelvin. Den Blau-Anteil im Licht ist dabei deutlich reduziert. Angenehm fürs menschliche Auge, vor allem aber auch gut für die Umwelt, für Insekten und Fledermäuse. Denn grundsätzlich nehmen Tiere speziell den Blau-Anteil im Licht wahr, und der kann ihr natürliches Verhalten bei Nacht stören. Senkt man den Blau-Anteil, stört das deutlich weniger. So gelingt ein Spagat: Der Park ist dunkel genug für die Tiere und die Natur, aber hell genug, damit Menschen sich sicher fühlen.


Fabians Team hatte am Omnibusbahnhof noch mehr zu tun: Sie haben Kabelverteilerschränke aufgestellt sowie die Masten für die Abfahrts-Anzeiger. Das Ganze ans Stromnetz angeschlossen, genau wie die Ticketautomaten und beleuchtete Werbetafeln. Die Masten und Leuchten am Wasserspiel haben sie installiert und die Beleuchtung unter den Sitzelementen an der Seeterrasse montiert. All das, während der Omnibusbahnhof voll in Betrieb war. Montage-Fahrzeuge mussten irgendwie zwischen den Taxis rangieren. Gearbeitet wurde mitten zwischen wartenden Fahrgästen und um diese herum. Häufig wurden sie gefragt, wie man hierhin oder dorthin kommt. Oder wann die Baustelle endlich fertig wird.
Ohne Nachtarbeit geht es nicht
Und sie haben Nachtschichten gemacht. Weil manche Arbeiten nur möglich waren, während die Ammertalbahn nachts nicht fuhr. Weil man nur bei Nacht in Ruhe den großen Hubsteiger auf die Bussteige stellen kann und weniger Passanten unterwegs sind. Und weil es für bestimmte Aufgaben einfach dunkel sein muss.









Die Herausforderung war, das neue Licht punktgenau auszurichten. Denn die Lichtplaner hatten exakt vorgegeben, was wo wie leuchten soll. Natürlich auch, damit das Licht den Reisenden am meisten nützt. „Licht braucht man beispielsweise an der Kante des Bussteigs. Also genau dort, wo man aus einem Bus aus- oder in ihn einsteigt. Man muss sehen können, wo man den Fuß hinsetzt“, erklärt Fabian. „Wenn der Lichtstrahl einen halben Meter daneben fällt, hilft das nichts.“
Moderne LED-Leuchten bringen solche Eigenschaften mit: Man kann sie präzise fokussieren und ausrichten. So, dass es wirklich nur dort hell wird, wo das gewünscht ist und gebraucht wird. Fast wie auf einer Theaterbühne. Ein weiterer Vorteil: So genanntes Streulicht gibt es kaum noch.
Millimeterarbeit für exakte Lichtpunkte
Aber wie macht man das eigentlich, eine Leuchte punktgenau ausrichten? Das wusste anfangs keiner, das Team musste ganz schön tüfteln. „Augenmaß hätte da nicht gereicht“, erklärt Fabian. „Und man sieht hier mit bloßem Auge auch nicht genau genug, weil es am Omnibusbahnhof ja eine Menge Licht gibt.“ Das Team fand eine eigene Lösung, die eines Daniel Düsentriebs würdig gewesen wäre. „Keine Ahnung, wie andere sowas machen. Wir haben uns selbst einen Justier-Adapter gebaut. Mit einem normalen Laserpointer“, berichtet Fabian.
Die Halterung für den Laser-Pointer hat Fabian daheim auf dem 3D-Drucker hergestellt. Mit einem Saugnapf ließ sie sich so an der Leuchte befestigen, dass der Laser-Punkt exakt den Kernpunkt des jeweiligen Lichtkegels zeigte. Die Ziele auf dem Boden waren vorgegeben: vogtpartner hatte sie mit GPS-Daten definiert. Mit Hilfe von swt-Kollegen, die auf das Geoinformationssystem GIS spezialisiert sind und ihr Messystem zur Verfügung stellten, gelang die exakte Ausrichtung der Leuchten. Einen Laser-Punkt nach dem anderen richtete Fabians Team aus. Und zwar nachts, ist ja klar. „Das war einfach unser Job: die Qualität, die sich die Lichtplaner ausgedacht haben, wirklich gut auf die Straße zu bringen“, sagt Fabian.



Wie wird man Straßenbeleuchtungs-Spezialist?
Was muss man eigentlich gelernt haben, um so einen Job bei den Stadtwerken zu machen? Das sechsköpfige Team besteht aus Elektromonteuren, die alle bei den Stadtwerken als Azubis begonnen haben, und einem Elektromeister. Teamleiter Fabian ist Ingenieur. Er hat in Karlsruhe Energie- und Automatisierungstechnik studiert. Arbeitete erst in der Chemie-Industrie, kümmerte sich um Prozesstechnik. Dann wechselte er in die Automobil-Branche.
Heute nutzt der 45-Jährige die andere Richtung seines Studiums, die Energietechnik. Der Wechsel hatte vor allem persönliche Gründe. Als sein erstes Kind auf die Welt kam, war Fabian viel auf Inbetriebnahmen unterwegs, stramm eingespannt, mit mehr Stress, als ihm und seiner jungen Familie lieb war. Zugleich auch mehr Programmier-Arbeit, als es wirklich zu ihm passte: „Ich wollte mehr mit Menschen zu tun haben und weniger mit Computern.“ 2022, während Corona, fing er an, sich umzuschauen. Tübingen lag nahe: Die Familie wohnte damals schon eine ganze Weile in Tübingen. Fabian ist hier geboren und in der Region aufgewachsen.
Die Stellenausschreibung der Stadtwerke als Teamleiter für Straßenbeleuchtung sprach ihn an. „Licht ist ein spannendes Thema für mich, war es schon immer. Ich fotografiere gern.“ Arbeiten, ohne zu pendeln? Klang auch super. Erstmals ein Team leiten? Fand er spannend. Die Personalabteilung der Stadtwerke entschied sich für ihn, im Oktober 2023 übernahm er die Stelle. Und fuchste sich schnell ein ins Fachgebiet Straßenbeleuchtung.
Wem gehört hier was?
Die Straßenlaternen gehören übrigens gar nicht den Stadtwerken, sondern der Stadt Tübingen. Die Stadtwerke betreiben sie in deren Auftrag. Rund 11.000 Laternen, im Fachdeutsch heißen sie Lichtpunkte, gibt es in Tübingen. Regelmäßig fährt das Team raus, um Leuchten zu warten und instand zu setzen. Wenn sie sich nicht gerade um ausgefallene Lampen kümmern, Störungen suchen oder Kabelfehler ausmessen, werden im Turnus alle bestehenden Leuchten gewartet und gereinigt. Die Masten werden alle paar Jahre auf ihre Standfestigkeit geprüft, alte Betonmasten, die in die Jahre gekommen sind, ausgetauscht. „Man glaubt ja gar nicht, wie oft Masten beschädigt oder umgefahren werden“, sagt Fabian. „Vor der Neckarbrücke ist einer, der wird eigentlich jedes Jahr mindestens einmal angefahren.“
Defekte Straßenlaterne melden? Das geht gleich hier!

Wie uns das Licht beeinflusst
Fabian stellte schnell fest: Straßenbeleuchtung ist spannend und vielschichtig. „Mir war vorher nicht klar, wie viele Aspekte dieses Thema hat!“ Er fängt an zu erzählen: „Licht beeinflusst uns alle stark, auch unterbewusst.“ Jeder Mensch empfindet Licht anders. Das hängt auch vom Alter ab: Wenn sich das Auge altersbedingt eintrübt, kommt man mit mehr Licht besser klar. Es gibt auch psychische Effekte: Wärmeres Licht macht die meisten Menschen ruhiger.
Mit Licht kann man gestalten. Atmosphäre schaffen. Bereiche wohnlicher machen, ähnlich wie zuhause. Der Omnibusbahnhof ist da ein gutes Beispiel, der ist sehr gut gelungen, findet Fabian. „Man kommt an, man fühlt sich wohl und findet sich zurecht.“Am Omnibusbahnhof und im Süd-Westen des Anlagenparks wird nach wie vor gearbeitet. Rund um den See ist alles fertig. Der Platz der Partnerstädte ist mittlerweile eingeweiht, nun kommen der Spielplatz und der Aktivitätsbereich bei der Fahrradbrücke dran. Fabian und sein Team werden also noch eine ganze Weile öfters in diese Richtung fahren.
Wie gefällt euch das Lichtkonzept am Europaplatz und Anlagensee? Schreibt uns das gern in die Kommentare!
Gleich weiterlesen? Hier gibt’s noch weitere Geschichten zum Tübinger Omnibusbahnhof.
Auch über Hintergründe der Straßenbeleuchtung haben wir schon berichtet.
