Reporter-Nachwuchs bei den Stadtwerken
Notizblock, Stift und jede Menge Fragen im Gepäck. Beim Projekt „Zeitung in der Schule“ – kurz ZiSch – verwandeln sich Schülerinnen und Schüler einmal im Jahr in fleißige Zeitungsleser und echte Nachwuchsjournalisten. Und wir von den swt sind mit dabei, wenn sie neugierig unsere Anlagen, Bäder und Busse unter die Lupe nehmen.

Knifflige Fragen von Journalisten beantworten, das kennen unsere Kollegen Uli und Anne aus der täglichen Stadtwerke-Öffentlichkeitsarbeit gut. Doch einmal im Jahr sind es nicht die Profis der Medien, sondern neugierige Schulkinder, die uns mit Fragen löchern dürfen. Vielleicht habt ihr schon mal von ZiSch – Zeitung in der Schule gehört? Oder als Schülerin oder Schüler sogar dabei mitgemacht?
Wer das Schwäbische Tagblatt nicht abonniert hat, kennt es vermutlich nicht. „Zeitung in der Schule“ ist ein Projekt, das in ganz Deutschland Kinder ans Medium Zeitung heranführen will. In Tübingen wird es seit vielen Jahren vom Schwäbischen Tagblatt und dem IZOP-Institut aus Aachen in Kooperation durchgeführt. Bis zu 40 Schulklassen der Stufen 3 bis 6 bekommen drei Monate lang das Tagblatt ins Klassenzimmer geliefert. Sie lesen, entdecken, basteln, recherchieren – und lernen jede Menge dabei. Auch ältere Schülerinnen und Schüler nehmen regelmäßig teil. Die Stadtwerke sind seit 2009 als Sponsor und aktive Unterstützer mit im Boot. Es ist unser wichtigstes Engagement im Bildungsbereich.
Kinder und Zeitung? Wirklich?
Mich erinnert das an meine eigene Grundschulzeit in den 90ern. Auch damals gab es ein vergleichbares Projekt in meiner Schule: Wir haben aus alten Zeitungen Papier geschöpft (das mochte meine kreative Seite sehr) und viel darin gelesen. Nur den Sportteil habe ich ignoriert – und tue es bis heute. Doch ist damals bei mir etwas hängengeblieben und wirkt auch 30 Jahre später noch: Ich lese einfach gerne in der Zeitung, hauptsächlich den Regionalteil, um informiert zu sein. Aus Kindheitstagen kenne ich es, dass eine Zeitungsausgabe für mehrere Nachbarn im Haus abonniert wird, und nachmittags wird diese einfach ins nächste Stockwerk abgegeben. Eine eigenes Zeitungsabo gab es damals in unserem Haushalt nicht. In unserer Tübinger Nachbarschaft handhaben wir das mit dem Teilen der Ausgabe jetzt ebenso.
Von Lesekompetenz und vom Wert echter News
Dass so etwas immer seltener der Fall ist, bringt Projektleiterin Simone Maier vom Schwäbischen Tagblatt auf den Punkt: „In vielen Familien gibt es keine Tageszeitung mehr. Mit ZiSch lernen Kinder und Jugendliche ihre Lokalzeitung dennoch kennen – und den Beruf des Journalisten.
In Zeiten von Social Media und Fake News ist es wichtig, den Wert echter Nachrichten zu kennen. Zu erfahren, wie Journalisten arbeiten, wie Recherche funktioniert, wie man gute Fragen stellt.“ Und wie man eine Zeitung überhaupt liest. Die kindlichen Interessen und Sichtweisen sind dabei überraschend, neu und inspirierend, denn sie nehmen vieles anders und unvoreingenommen wahr. Und sie sehen Details, die wir übersehen. Aber dazu kommen wir später.
Am Ende des 3-monatigen Projekts werden die Kinder selbst aktiv: Da entsteht eine eigene Tagblatt-Sonderausgabe aller beteiligten Klassen, recherchiert, getextet und bebildert von den Schülerinnen und Schülern selbst. Diese Beilage wird an alle Abonnenten verteilt. Und wir, die Stadtwerke, öffnen jedes Jahr gerne unsere Türen und Anlagen für Entdeckungstouren und spannende Geschichten. Von November bis Januar war es wieder so weit, und ich durfte alle Klassen dabei begleiten.


In geheimen Schwimmbad-Kellern
Ein Dauerbrenner, der dabei nie fehlen darf, sind unsere Bäder in Tübingen. Die sind für Recherchezwecke besonders beliebt. Wir hatten schon mehrfach Klassen im Freibad zu Besuch, die vom Freibad-Chef erfahren, was dort selbst im Winter alles zu tun ist. Da staunen die jungen Reporter über die Enten, die auf dem kalten Wasser Bahnen ziehen oder über Eisschollen im Sportbecken, das wegen des Grundwasserdrucks gefüllt bleiben muss. Und sie dürfen ausnahmsweise in die leeren Wassertanks der Technikzentrale reinschlüpfen.
Auch im Hallenbad Nord geht es spannend zu. Unsere Badleiterin Stephanie Wenzelburger nimmt sich gerne Zeit für Fragen. Sie zeigt den Kindern das geheime Glasfenster, durch das man den Schwimmenden von unten zuschauen kann, während man Wasserproben analysiert. Sogar Kurse im Saunieren hat sie Schulklassen schon gegeben.
Dieses Mal waren zwei Klassen der Gewerblichen Schule im Uhlandbad zu Gast. Sie haben Wissenswertes zur Bädertechnik und über den Beruf des „Fachangestellten für Bäderbetriebe“ erfahren und die Ausstellung zur Geschichte angeschaut. Erstaunlich, dass das älteste Schwimmbad der Stadt 1914 das größte und modernste weit und breit war! Dass das Springen von der Galerie in der Anfangszeit eine Art Mutprobe war und streng verboten werden musste, fanden sie besonders überraschend. Was wohl passieren würde, wenn man es heute mal wagen sollte?






Warm eingepackt auf die „Ohren“
So gemütlich warm wie in den Hallenbädern geht es nicht bei allen Recherchen zu, denn es wurde auch an der frischen Luft recherchiert, was das Zeug hält. Zum Beispiel im eisigen Solarpark „Lustnauer Ohren“ mit meinem Kollegen Tim Holzapfel aus der Abteilung Erneuerbare Energien. Dabei sind mir fast die Ohren und den Kindern beim Schreiben die Finger abgefroren. Tim hat schön öfter ZiSch-Klassen begleitet. Ihm gefällt besonders, dass die Kinder so gut vorbereitet kommen und alles genau wissen wollen – die Baukosten, die Strommenge und natürlich ausführlich alles zu den weidenden Schafen. Und wie stolz manche vom eigenen Solarstrom zuhause erzählen. Für Tim ist das eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsalltag und zu den Führungen, die er sonst hin und wieder für Gremienmitglieder oder Lokalpolitiker durchführt.

Große Busse, große Augen
Ähnlich sieht das auch Thomas Deczko vom Stadtwerke-Verkehrsbetrieb, der Schulkindern die TüBus-Leistelle zeigt. Für ihn ist es schön, sie über den Betriebshof und in die Werkstatt der TüBusse zu führen und die Begeisterung der (meist) Jungs zu sehen, wenn es um die großen Fahrzeuge geht. Dafür holt er die Klassen selbst mit dem Bus an ihrer Schule ab. „Sonderfahrt“ steht dann auf der Anzeige – schon das ist ein Ereignis für die Kinder.
„Mir gefällt es, wenn die wissbegierigen Kinder mit Zettel und Stift anrücken. Die haben nicht nebenher das Handy in der Hand und sind abgelenkt.“ Fotos werden dennoch fleißig gemacht, denn auch gute Aufnahmen gehören zu einer guten Recherche! Dann wird es auch kurzzeitig gestopft voll im kleinen Büro der Leitstelle, wenn über 20 Kinder versuchen auf die großen Monitore zu blicken, um zu sehen, wo die Busse unterwegs sind und wo sich der Verkehr aktuell in der Stadt staut. Und kommt ein Funkspruch eines Busfahrers rein, müssen alle kurz mucksmäuschenstill sein.






Streetart und Trafostationen
Machst du vorher eine Skizze? Warum malst du immer Tiere? Wann hast du mit dem Malen angefangen? Ist Graffiti-Sprühen überhaupt ein Beruf? Kann ich ein Autogramm von Dir bekommen? – Die vermutlich längste Liste an vorbereiteten Fragen hatte eine Gruppe Schülerinnen der Grundschule auf der Wanne im vergangenen Jahr mitgebracht. Fragen für ihr Treffen mit dem Künstler LOOVEN. Zusammen unternahmen sie einen Spaziergang an der Steinlach entlang, von einer Trafostation der Stadtwerke zur anderen, die alle mit Graffiti geschmückt sind. Der Streetart-Künstler gestaltet regelmäßig Stationen für uns, um Tübingen Stück für Stück zu verschönern.



Führungen für alle
Wer jetzt denkt, es ist nur als Schulkind oder bei einem Tag der offenen Tür möglich, unsere Anlagen und geheimen Orte zu besichtigen, der irrt. Das ganze Jahr hindurch liegt uns der Kundenkontakt am Herzen, und das ehrliche Interesse an unserer Arbeit freut uns wirklich. Ob Wasserkraftwerk, ob Trinkwasserbehälter – mehr als 60 Gruppen kommen im Jahr zu uns, circa 1.000 Besucherinnen und Besucher insgesamt.
Gruppen aller Art: Kinder-Ferienprogramme, Rentnerausflug, Landfrauen, Ingenieure, Klimaschutzagentur, Studierende mit ihren Professoren, Delegierte von Partnerstädten und immer wieder Schulklassen aller Altersstufen. Sie alle waren schon zu Besuch in unseren Anlagen. Infos rund um unser kostenloses Besichtigungsangebot gibt es hier auf unserer Website. Meine Kollegin Angela kümmert sich mit Hingabe um die Anfragen, jongliert mit Terminen und Gästewünschen.
Zurück zu ZiSch
Jedes Jahr machen wir uns erneut Gedanken zu den Recherche-Themen, die wir beim ZiSch-Projekt anbieten und freuen uns auf die Anfragen der motivierten Lehrkräfte. (Die sind für ihr Engagement übrigens sehr zu bewundern, finden wir). Was aus der Stadtwerke-Welt könnte für die Schülerinnen und Schüler interessant sein? Diesmal ging es zum Beispiel auch um den Weg des Stroms vom Umspannwerk bis zur Steckdose, um den neuen Fischabstieg am Neckarwerk und, für Ältere, um das Thema Ausbildung, Studium und mögliche Berufswege bei den swt.




Seid gespannt: Ende Februar liegt die nächste ZiSch-Sonderbeilage des Schwäbischen Tagblatts in eurem Briefkasten, in der die Kinder und Jugendlichen berichten, was sie bei uns gelernt, gesehen und entdeckt haben. Ich finde es toll, dass wir als Stadtwerke schon so lange Partner der Aktion sind! In meinen Augen vermittelt sie der jungen Generation einen Bezug zu ihrer Zeitung und vor allem zu der Stadt, in der sie lebt. Und auch wir Erwachsene sehen dadurch wieder, was Kinderaugen sehen!
Übrigens frage ich mich schon jetzt, ob es meine diesjährige Lieblingsfrage wohl auch in einen Artikel schaffen wird … Gestellt hat sie ein Viertklässler aus Bühl am Neckarwerk: „Was ist, wenn ein Fisch in der Fischtreppe stecken bleibt, weil er zu groß ist?“, wollte er wissen. Hach, wie gerne würde ich mich mal über einen im Neckar festsitzenden Wal wundern!
Und jetzt seid ihr dran:
Welche swt-Themen wünscht ihr euch für die nächste Kinder-Zeitungsausgabe?
Zur Autorin:
Kathi Brielmann interessiert sich für viele Nachhaltigkeits-Themen aus Leidenschaft. Als Zuständige für Events hat sie die Schulklassen bei ihren Recherchetouren im Rahmen des ZiSch-Projektes begleitet und diese im Vorfeld organisiert.
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Weitere spannende Einblicke in unsere Anlagen bekommt ihr zum Beispiel hier:




