Grüne Weihnacht, weiße Weste

Ein Selbstversuch von einer, die es ernst meint: Katharina und die Vorbereitungen für ein nachhaltiges Weihnachtsfest.

Weihnachten ist für mich das Fest der Feste. Schon im November beginnen meine Planungen, ich besorge oder bastle Geschenke für Freunde und Familie, die Wohnung wird gemütlich dekoriert und ein Menü geplant. Das ganze Jahr über setze ich mich kritisch mit meinem eigenen Konsumverhalten auseinander, indem ich viel regional und saisonal einkaufe, auf unnötige Verpackungen achte und Kaufentscheidungen bewusster treffe. Für mich beinhaltet das jetzt auch, das anstehende (hoffentlich weiße) Fest genauer unter die Lupe zu nehmen, um es für mich „grüner“ zu gestalten.

Ob das machbar ist? Das habe ich mich auch gefragt. Ob in einem Advent, in dem ich schon viel zu tun habe, noch Zeit für selbstgemachte individuelle Dinge bleibt, und Feiertage ohne Geschenkpapiermüll wirklich umsetzbar sind, das stelle ich mal stark in Frage. Ob sich am Ende meine CO2-Bilanz wirklich ändert und ich durchhalte? Wir werden sehen.

Vor Kathi ist nichts sicher: Sie bastelt sogar aus Klorollen und Werbemitteln die passende Weihnachtsdeko fürs Büro. Deshalb ist sie auch genau die richtige Autorin für dieses Thema.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt
Ein stimmungsvolles Zuhause möchte ich auch dieses Jahr bei mir zaubern, richtig „hygge“ soll es sein! Da darf mein Adventskranz oder eine moderne Interpretation davon nicht fehlen. Hürde Nummer 1: Der richtige Kerzenkauf. Klar ist für mich, dass Erdöl-Produkte aus Paraffin nicht in Frage kommen. Kerzen aus Palmöl sind auch keine umweltfreundliche Alternative für mich, auch nicht aus Sojaöl aus Südamerika. Teelichter im Aluminiumbecher helfen mir beim nachhaltigsten Wachs nicht. Auf LED-Lichterschein mit Batteriebetrieb verzichte ich ebenso. Über wiederaufladbare Akkus lässt sich reden, aber die sind im Drogeriemarkt ständig ausverkauft. Kerzen aus Bienenwachs sind zwar am umweltfreundlichsten habe ich gelesen, aber ehrlich gesagt wesentlich teurer und meist verwenden die regionalen Imker das Wachs ihrer Bienenstöcke doch selbst.

Die Recherche zeigt, es gibt aber auch beim Kerzenkauf Güte- und Bio-Siegel, auf die ich achten kann. Gute Beratung und große Auswahl in Sachen nachhaltigem Kerzenkauf habe ich bei mir ums Eck bei Bücher & Kunst Wekenmann in der Langen Gasse 5 gefunden und auch in Hinrichs Teehus in der Froschgasse 5 in Tübingen gute Erfahren gemacht.

Basteltipp:
Kaufe Dir bei Dagmars Bastelstube im Französischen Viertel ein Stück Baumwolldocht, nimm dazu regionales Raps- oder Sonnenblumenöl aus nachhaltigem Anbau, und mache dir selbst in alten Marmeladengläsern schöne Kerzen. Alte Wachsreste einschmelzen und selbst im Form gießen funktioniert ebenso gut, damit habe ich zur Genüge in meiner Küche (zur Freude meines Mannes) mit heißem Wachs gekleckst. Passende Zweige und Strohringe aus der Region oder fertig gebundene Nadelkränze habe ich auf dem Wochenmarkt gesehen.

Und bei mir? Da gibt es unkonventionell seit vielen Jahren ein Stück alten Eichenbalken. Nadelt nicht, ist sehr langlebig und platzsparend in der Lagerung und wurde jetzt nur mit kleinen Bienenwachs-Teelichtern neu bestückt.

Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum, wie grün …
Gemeinsam den Baum schmücken, der Duft von Tannenreisig im Wohnzimmer und Tannennadeln an den Socken… meine Kindheitserinnerungen an unseren Christbaum umfassen das alles. Und schon sind wir bei Hürde Nummer 2: Die Bescherung unterm Öko-Baum.

Eine Bescherung ganz ohne Baum ist keine Lösung für mich. Wenn Kinder im Haus sind erst recht nicht. Das gehört doch einfach dazu. Aber muss es denn ein geschlagener Baum sein? Das frage ich mich ernsthaft seit Jahren und hatte dann doch immer einen eigenen Baum im Ständer im Wohnzimmer.

Die Fakten dagegen liegen für mich auf der Hand: Über 30 Millionen Bäume werden in Deutschland jedes Jahr verkauft. Die meisten Bäume aus Monokulturen haben lange Transportwege durch halb Europa hinter sich. Besser ist da sicherlich eine Tanne, Fichte oder Kiefer aus der Region mit FSC-Siegel für die ökologische Waldnutzung. Den aktuellen schlimmen Zustand unseres ausgetrockneten Waldes durch lange heiße Sommer will ich an dieser Stelle nicht vertiefen, die Buche aus dem Schönbuch vor dem Rathaus im Herbst war mir Mahnmal genug.

Eine kleine Tanne im Topf hatte ich auch schon, hat aber den „Rausschmiss“ im Januar in die plötzliche Kälte nicht überstanden. Meine Idee: Selbst aussuchen und aus dem Wald holen. Kleine Recherche: Bei der „Hofschuir“ in Bondorf könnte ich einen Baum selbst sägen und nach Hause bringen

Baumgerüst aus unserer swt-Werkstatt, massive Schweisskunst bietet viel Platz für Deko.

Basteltipp:
Bau Dir doch lieber selbst eine Variante aus Holz und erfreue Dich viele Jahre an deinem Kunstwerk, das ist nachhaltiger als alles andere. Pinterest sei Dank für die Inspiration! Holz bekommst Du im Baumarkt und der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: vom Lattenbaum bis zum Leiter-Dreieck stößt man auf online Sägeanleitungen. Suche alternativ in deinem Keller oder Schuppen nach einer alten Holzleiter zum Aufstellen, schon hast du ein Dreieck, an dessen Sprossen du Kugel, Sterne und Lichterkette anbringen kannst. Auch Äste vom letzten Waldspaziergang hinter Hagelloch oder auf dem Spitzberg können mit etwas Schnur verbunden werden und eine Baum-Silhouette ergeben.

Improvisieren war schon immer meins! Ich habe zwei kleine Leitern gefunden, die früher als Wäscheablage dienten. Daran kommen Strohsterne, Stoffbänder, Engel aus Klopapierrollen und getrockneten Orangenscheiben. Das ist mir alles lieber als Lametta, beschichtete Kunststoffkugeln, Schnee- und Glitzersprays. Weniger ist manchmal mehr. Dazu meine LED-Lichterkette, die verbraucht 90% weniger Strom und habe ich vor Jahren im letzten Innenstadt-Elektrofachgeschäft, bei Brodbeck Leuchten in der Belthlestraße 2 besorgt.

Morgen Kinder wird’s was geben…
Weiter geht es mit der Frage nach dem darunter. Was kann und soll bei meinem „grünen“ Weihnachtsfest unter dem Baum liegen? Hürde Nummer 3: Nachhaltige Geschenke einpacken. Was es auch ist, der erste Eindruck zählt, davon bin ich überzeugt. Das Einpacken der Geschenkle nimmt bei mir enorm Zeit in Anspruch. Recyclingpapier selbst bestempelt steht bei mir jetzt hoch im Kurs. Ein schönes Geschirrtuch oder ein Stoffrest, dazu Stoffbänder oder Naturbast geben eine schöne Verpackung ab.

Aber mal ehrlich: Ohne Tesa geht es dennoch nicht. Bei aller Liebe zur Plastikvermeidung. Meine Fingerfertigkeit gibt das ohne den guten Tesa nicht her.

Wer mit der Zeit geht, schenkt weniger Materielles, denn die Devise lautet: Zeit statt Zeug. Ein klarer Trend, vielfach wurde darüber berichtet. Nachhaltiger geht es nicht, das leuchtet mir ein. Aber gerade in Zeiten des Abstand-Haltens inmitten der Pandemie sehne ich mich nach Nähe, gemeinsamer Zeit und gemeinsamen Aktivitäten im Familienkreis. Klar kann ich jetzt schon den gemeinsamen Theaterbesuch im LTT planen, den Frühstücksgutschein für mein Tübinger Lieblingskaffee besorgen oder einen gemeinsamen Paddelkurs beim Neckar-SUP buchen. Aber das mit der Geduld – bis das wieder möglich ist – das ist so eine Sache… Vielleicht doch was kleines Materielles?!

Was ich schenke? In meiner Familie schwanken wir derzeit noch zwischen einer Patenschaft für einen Olivenbaum in der Toskana oder einem Orangenbaum in Portugal. Dazu gibt es Selbstgemachtes oder Selbstgestaltetes. Und für die Kinder Puzzle mit eigenem Fotomotiv und ein Buch aus dem Osiander-Kids. Dabei auf den großen Versandhändler zu verzichten, habe ich dieses Jahr geschafft. Dafür kam das Geschenk meines Mannes für mich per DHL. Ganz ohne die Paketengel geht es in unserem Haushalt doch nicht.

Basteltipp:
Beste Ausstattung an Papier, Farben und Material aller Art bei Fritz Schimpf am Schimpfeck oder im Nonnenhaus beim Sciptum kaufen und direkt kreativ loslegen! Mir hat es dieses Jahr der Linoldruck für meine Weihnachtspost angetan und nach Feierabend habe ich wirklich dafür Zeit gefunden.

In der Weihnachtsbäckerei…
…gibt es manche Leckerei! Hürde Nummer 4: Festschmaus mit gutem Gewissen. Einen Rezepttipp für das ultimative nachhaltige Weihnachtsmenü kann ich euch nicht liefern. Dafür sind die Geschmäcker, Traditionen und Vorlieben zu unterschiedlich. Ich setze, wie Mama und Oma auch schon, ganz auf Weißwürste und Kartoffelsalat. Mein Essen ist sicher maßgeblich verantwortlich für die CO2-Bilanz unserer Feiertage. Bio und regional ja, vegan oder vegetarisch nein, nicht dieses Jahr, das ist zu viel verlangt.

Am Ende kann ich dann meine gesamten Lebensmittel online im CO2-Rechner von www.Klimatarier.com vergleichen. Zutaten auf den Teller ziehen und Festschmaus- oder Backzutaten-Bilanz betrachten – möglich ist das heute alles. Aber vielleicht betrachte ich doch lieber die Bilanz auf der Waage im Bad.

Alle Jahre wieder
Es wird mir leicht gemacht, mal eben die Weihnachtsbesorgungen zu machen. In der Drogerie ertappe ich mich selbst dabei, wie ich schnell zur XXL-Packung Teelichter oder dem fertig verpackten Adventskalender greife, um ihn dann zwei Gänge weiter wieder verstohlen abzulegen. Lebkuchen, Schokomänner und Marzipankartoffeln warten seit Monaten auf mich. Dazu kommt, dass Onlinebestellungen so wahnsinnig einfach und unkompliziert sind, mit einem Klick ist alles in meinem Warenkorb.

Mir ist klar, dass nicht alles perfekt ist und ich noch Ausbaupotenzial habe, was meine umweltfreundlichen Weihnachten betrifft. Aber es heißt ja nicht umsonst „Alle Jahre wieder“.

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